Mundharmonika für Kinder
 

Musik aus der Hosentasche: Maria lernt in Heelden Blues Harp

VON KATJA FISCHBORN BBV September

Didi Spatz gibt schon seit vielen Jahren Unterricht im Mundharmonika-Spiel. Seit Mai nimmt die zwölfjährige Maria Schmickler bei ihm Stunden – und konnte bereits ihr Talent bei einem Konzert vorstellen. Langfristig will der Musiklehrer sogar ein Kinder-Mundharmonika-Ensemble gründen

ISSELBURG-HEELDEN Maria atmet einmal tief durch. Etwas aufgeregt ist die Zwölfjährige mit den vielen Zuschauern doch. Aber dann setzt sie ihre Mundharmonika an, schließt die Augen und beginnt zu spielen. „Nehmt Abschied, Brüder” klingt es klar durch den Übungsraum der Musikschule Liederspatzen.

Ihr Lehrer Didi Spatz ist voll des Lobes über seiner Schülerin. „Maria hat wirklich Talent”, sagt der 48-Jährige. Denn die Einzeltöne, die das Instrument erst so richtig gut klingen lassen, trifft sie schon gut. „Das dauert bei anderen Monate, das ist schwierig zu lernen”, erklärt Didi Spatz. Das habe etwas mit der richtigen Motorik und der Lippenspannung zu tun. Jetzt soll Maria schon Biegetöne lernen – die machen erst den richtigen Blues-Klang aus.

Im Mai nahm Maria Schmickler zum ersten Mal Unterricht in Heelden, seitdem bringt sie ihre Mutter alle zwei Wochen aus Goch hierher. „Eigentlich wollte ich gerne Gitarre lernen”, erklärt Maria. Doch wegen ihrer leichten Behinderung in den Beinen und vor allem in den Händen wäre dem Mädchen das Saitenzupfen schwer gefallen. Stattdessen bekam sie zu Weihnachten eine Mundharmonika. Für das Instrument sei sie Feuer und Flamme gewesen, als sie im Fernsehen bei „Das Supertalent” Michael Hirte gesehen und gehört hatte, berichtet Maria. Der nach einem schweren Unfall auf einem Auge blinde Mann spielte sich in die Herzen der Jury und der Zuschauer.

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Didi Spatz

Er entdeckte die Mundharmonika mit 18 Jahren. Seitdem faszinierte ihn die Blues Harp. Er nahm erst selbst Unterricht und sammelte Erfahrungen bei Konzerten nicht nur in Deutschland, sondern auch in China, Irland und Amerika. Seit vielen Jahren unterrichtet er Mundharmonika-, Gitarren- und Didgeridoo-Spiel. Seit 2007 ist Spatz selbstständiger Musiker und Musikschullehrer. Die Musikschule Liederspatzen in Heelden gibt es seit 1992. Mit dem Gitarristen Willi Ennulat tritt er häufig gemeinsam auf. Ihr Lied „Dornröschen” soll künftig im WDR-Radio zu hören sein.

Und auch Maria hat mittlerweile ihren ersten Auftritt hinter sich: Am 30. August spielte sie beim ersten offiziellen Blues-Harp-Konzert am Niederrhein in Wertherbruch. Für die junge Musikerin ein beeindruckendes Erlebnis, auch wenn sie bescheiden erwähnt, dass sie sich einmal verspielt habe. Doch den Einwand wischt Lehrer Didi Spatz mit einer Handbewegung weg: „Du hast das super gemacht!”

Erst seit vier Monaten nimmt Maria Schmickler Mundharmonika-Unterricht und absolvierte schon ihren ersten öffentlichen Auftritt. Die Zwölfjährige spielt am liebsten auswendig mit geschlossenen Augen. FOTOS: FISCHBORN

Mittlerweile gehören fünf Lieder zu ihrem Repertoire, so „Der Mond ist aufgegangen”, „Michael Row The Boat Ashore”, „Oh When The Saints” und der Klassiker „Alle meine Entchen”. „Nehmt Abschied Brüder” war ihr erstes Lied. Das hat sie sich sogar selbst beigebracht. „Mein Vater hat das immer auf dem Klavier gespielt”, erklärt sie. Noten braucht sie kaum – wenn sie spielt, dann am liebsten mit geschlossenen Augen und auswendig. „Dann kann ich mich besser konzentrieren”, sagt sie.

Gesungen werde oft in ihrer Familie, berichtet sie, und außerdem sei sie ein Fan des Karaoke-Spiels „Singstar” für die Playstation. Mundharmonika-Musik höre sie allerdings nicht den ganzen Tag, dann lieber Popmusik, gesteht Maria.

Die Mundharmonika beschere einem Schüler oft einen Aha-Effekt, erklärt Spatz. Nach einem Tag intensiven Unterrichts könne man schon ein Lied spielen. Doch werde das Instrument immer noch belächelt, ärgert sich Spatz. Dabei sei die Mundharmonika auch noch praktisch, weil sie in jede Hosentasche passe. So könne man überall Musik machen. Teuer ist eine Mundharmonika auch nicht: Die beiden Exemplare in C- und E-Dur von Maria kosten jeweils etwa 27 Euro – und sind ziemlich gut.

Mundharmonika-Lehrer gebe es viele, doch Blues-Harp-Lehrer wie ihn nur wenige, sagt Spatz. In ganz Deutschland gibt er deshalb Kurse. Etwa 50 Schüler unterrichtet er derzeit in diesem Instrument in seiner Musikschule. „Da sind mir eigentlich noch zu wenig Kinder”, sagt Spatz. Deshalb möchte er gerne ein Kinder-Mundharmonika-Ensemble auf die Beine stellen. Maria wäre sicher mit dabei.